Geschichte Södings

 

Geografische Daten:

Die Gemeinde Söding liegt mit ihren rund 911 ha, bestehend aus den 3 Katastralgemeinden Kleinsöding, Großsöding und Pichling b. Mooskirchen und bereits über 2000 Einwohnern im Süden des Bezirkes Voitsberg und grenzt an den Bezirk Graz Umgebung.

Die drei Katastralgemeinden waren nach der Revolution 1848 (Bauernbefreiung) eigene Gemeinden. Erst 1948 wurden die 2 Kleingemeinden Pichling und Klein-Söding zusammengezogen. Am 1. Jänner 1958 schlossen sich die zwei Katastralgemeinden Kleinsöding (mit Pichling) und Großsöding zur Großgemeinde Söding zusammen und die Gemeinde führt seither den Namen „Söding.“

1971 hatte die Gemeinde Söding rund 1430 Einwohner, zu Beginn des Jahres 2005 bereits 2095 Einwohner.

Geschichte von Groß - Söding:

Das Södingtal ist uraltes Siedlungsgebiet. Schon vor 2000 Jahren führte eine Straße aus dem Grazer Raum durch das Kainachtal nach Knittelfeld und römische Funde aus der Gegend um Söding bestätigen uns die Anwesenheit der Römer in diesem Gebiet. Nach den Römern kamen für kurze Zeit die Slawen, die später von den Baiern verdrängt wurden. „Villa Sedinge“ könnte ein slawisierter älterer Name („Sed....“) sein und auf eine römische Ansiedlung oder Landhaus hinweisen.

Durch Mönche von Stift Lambrecht und Stift Rein wurde das obere und mittlere Södingtal urbar gemacht Nächst Stallhofen befand sich das Reiner Dorf „Seding“, das vermutlich durch die Pest im Mittelalter verödet ist.

Aus dem Jahr  1292 kennen wir eine Nennung „magna Sedingen“ und 1478 erfolgt erstmals die Nennung „Großsöding“, das mit dem  heutigen Groß Söding ident ist. Es hieß auch „Seding an der „Münchzeil“ oder „Subner Seding“, weil es  den „Subener“ Mönchen gehörte.

Zum Schloß Söding:

Das Stift Suben am Inn war seit seiner Gründung 1040 n. Ch. hier über 500 Jahre begütert. Es wird vermutet, dass hier im 11. Jahrhundert ein Wehrbau stand.

Aufzeichnungen gibt es erst wieder ab 1534, als das Stift Suben seine Besitzungen an Wolfgang Staiger aus Graz verkaufte. Lange Zeit hieß der Gutshof „Staigerhof“. Durch Heirat kam er an Erasmus Neuburger und 1631 an Sebastian Roll. Die Witwe des Hans Karl Roll, Eva Susanna, verkaufte alles um 1665 an Johann Kaspar Kheller von und zu Kellersperg.

Dieses Geschlecht bleibt nun ununterbrochen am Besitz und wurde zur „Herrschaft Groß-Söding“ mit Gerichtsbarkeit. 1687 wird die Schlosskapelle angebaut und mit aus der Grazer Burgkapelle übertragenen Fresken von Egyde de Rye geschmückt.

Anfang des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss zu seiner heutigen Form umgebaut. Die letzte „Kellersperg“ Baronin Friederike Rozwadowska veräußerte den Familienbesitz nach 302 Jahren im Jahre 1967an die Familie Sparowitz aus Graz.

Diese  Familie ist sehr bemüht, den Bau zu erhalten und führt laufend Renovierungsarbeiten durch. Hierbei wurden in einem Saal Fresken freigelegt, die Musiker in Renaissancekleidung darstellen. In diesem stimmungsvollen Saal werden seit 1978 fast jährlich Schlosskonzerte abgehalten.

Geschichte von Pichling:

Pichling bei Mooskirchen hat der Namensform nach schon vor dem Jahre 1200 bestanden. Mit den Bergrechten zu „Puhelaren“ übermittelt das Stift Reiner Urbar von 1395 erstmals gesichert den Namen des Dorfes Pichling. 1542 saßen die Teufenbacher auf dem „Amt Pichling“ und 1777 wurde die Pichlinger Herrschaft mit der Herrschaft Groß-Söding (Khellersperg) vereinigt.

Geschichte von Klein Söding:

Im heutigen „Klein-Söding“ bestand schon im 13. Jahrhundert ein kleiner Wehrbau, das Wasserschloss „Mierzerhof“, nach seinen Besitzern so genannt. Als 1628 Sebastian Roll diesen Besitz erwirbt, darf er ihn auch „Rollau“ nennen. Der adelige Sitz war von Teichen und Wassergräben umgeben, verfiel durch Verschuldung immer mehr, bis 1707 Raymund von Khellersperg das Gut mit seiner Herrschaft Groß-Söding verband.

1748 wurde der Bau gänzlich abgetragen. Im Volksmund heißt es, Schloss Rollau sei versunken. Man weiß nur mehr, dass aus seinen Steinen die Grundfesten und das Stallgebäude des Anwesens „Leinweber“ erbaut worden sind.

Ebenfalls in Klein-Söding befindet sich die beliebte Wallfahrtskirche St. Sebastian.

Im 14. Jahrhundert wütete die Pest und ließ ganze Ortschaften wie Hardegg, Muggau und das „Reuner Dorf Sedinge“ aussterben. Man vermutet, dass dort, wo heute die Sebastianikirche steht, schon ein kleines Pestheiligtum stand. Überlebende Bauern aus der näheren und engeren Umgebung gelobten den Wert einer Kuh im Laufe Ihres Lebens der Sebastianikirche zu spenden und brachten so mit  einer Art freiwilligen Steuer, dem „Kühzins“,  die Geldmittel für die Errichtung einer größeren Kirche auf.

Das Jahr 1508, das im „Geistlichen Personalstand“ der Diözese Seckau als Baujahr aufscheint, dürfte sich nur auf das heutige Presbyterium beziehen. 1562 baute man ein Kirchenschiff mit einer flachen Holzdecke an, die 1676 eingewölbt wurde. Durch die Einwölbung wurden die gotischen Spitzbogenfenster an der Südseite rechteckig. In diesem Jahr wurden auch die Kreuzkapelle im Osten und die Sakristei im Norden errichtet.

Die Einrichtung:

Neben dem Südportal der Kirche ist außen eine Sebastianfigur aus Sandstein eingemauert. Sie ist die zentrale und älteste Figur dieser Kirche, denn sie stand einst „in Mitten“  der noch nicht vergrößerten Kirche und kam ungefähr um 1630 als Haupt-Altarbild auf den neuen Hochaltar, der ebenfalls aus Sandstein gemeißelt wurde. Um diese Zeit erhielt die Kirche auch einen spätgotischen (um 1510-1520) holzgeschnitzten Flügelaltar von der Pfarre Hitzendorf, den die Södinger zu zwei Seitenaltären adaptierten. Und seit dem letzten Drittel des 17. Jahrhunderts steht nun in der verlängerten Kirche, unter dem Triumphbogen, lebensgroß, wieder ein  Sebastian „in Mitten“ der Kirche.

Die Pestzeit:

Bei Renovierungsarbeiten 1924 fand man auf dem Dachboden der Sebastianikirche eine übertünchte Inschrift aus der Zeit vor 1676 (In diesem Jahr wurde die Kirche eingewölbt, weshalb sich die Inschrift heute auf dem Dachboden befindet.), in welcher die Worte vorkommen: „Precibus pestem depele furentem“ (Um unseres Gebetes willen verscheuche die wütende Pest).

Um die Erinnerung an die schweren Pestzeiten wachzuhalten, wird bis heute am Ostersonntag eine „Marterprozession“ (sprich.“Maschta“) aus fünf Dörfern der Umgebung und zwar von Attendorf (heute Bezirk Graz-Umgebung), Stögersdorf und Fluttendorf (heute Marktgemeinde Mooskirchen bzw. Pfarre Mooskirchen), Groß- und Kleinsöding (heute mit Pichling b. M.) durchgeführt. Das der Prozession vorangetragene „Marterkreuz“, wird von den Bewohnern (früher hauptsächlich nur Bauern) kunstvoll mit blauseidenen Tüchern und zehn Opferkerzen geschmückt. Für den Einzug in die Kirche gibt es heute noch eigene „Maschtagesänge“.